Der Turm

Der KULTURm ist die Heimat des Kulturvereins Ilshofen. Im Jahr 1999/2000 wurde der Ilshofener Torturm zum Museum beziehungsweiße als Galerie umgebaut und eingerichtet. Dies verdanken der Verein und die Stadt einer großzügigen Sach- und Geldspende von Frau Maria Frank aus Ilshofen.

Der Ilshofener Torturm, heißt mit richtiger Bezeichnung Haller Torturm, und war ein wichtiger Teil der Stadtbefestigung. Er befindet sich im Zentrum von Ilshofen, neben der Stadthalle, beim Rathaus. Hier stellen der Kultur-Verein Ilshofen, von ihm ausgewählte Künstler und Sammler aus. Vom obersten Stock können Besucher die Stadt und die ganze Umgebung einsehen.

 

Haller Torturm
(von Hans Roth, Ilshofen-Eckartshausen)

Der Haller Torturm, Ilshofen historisches Wahrzeichen und ältestes erhaltenes Bauwerk, wurde 1609 über dem so genannten oberen Tor bereits seit längerer Zeit ringsum von Mauern umgebenen Hällischen Stadt Ilshofen erbaut. Ilshofen war Kreutzungspunkt einer von westen nach osten und einer von Süden nach Norden Führenden Fernstraße und hällische Zollstation mit erheblichen Einnahmen.

Die Architektur des prägnanten Bauwerks signalisirt Anspruch auf Prestige in dieser östlichen hällischen Besitzung. Die Torbogen auf einfachen gekehlten Kämpferplaten und das wenig ausgeprägte Kreuzgratgewölbe zwischen ihnen sind sicher älter als der Turm den sie tragen. Als die Haller, vier Jahrzehnte nachdem sie Ilshofen 1562 gekauft hatten, ihren Turm auf das alte Fundament setzten, flachten sie den nördlichen Torbogen ab – wie deutlich zu sehen ist – und setzten ihren Wappenstein drauf.Der Turm wurde als einfaches Bruchsteinmauerwerk aus östlichem Muschelkalk hochgezogen. Er ist 25,5 Meter hoch, ob aus strategischen Gründen oder wegen des Haller Geltungsbedürfnisses ist nicht überliefert.

Niemals aber, das in allen Einzelheiten ausführlich dokumentiert, boten Turm und Mauer den ilshofener hällischen Untertanen Schutz. Weder vor regulären, requirierenden Truppen, noch vor marodierenden Söldnerhaufen, blieben die Tore verschlossen und die Mauer blieben unbesetzt – Widerstand wäre zwecklos gewesen. Kaum hatte, 9 Jahre nach dem Turmbau, 1618 der 30-jährige Krieg begonnen, erduldeten die Stadtbewohner, vielleicht mehr als die Dörfler eine zwei Jahrhunderte währende Folge von Durchzügen räuberischer und begehrlicher Truppen die Frauen entführten, Voeh mitnahmen, Lebensmittelvorräte und Hafer plünderten, tödliche Seuchen einschleppten und Brandschatzung erpressten (Brandschatzung ist Erpressung durch die Drohung Häuser anzuzünden). An – den insgesamt doch zahlreicheren – friedlichen tagen brachte in des der Zollstock im Ilshöfer Torturm den Hallern sichere Einträge und der Torwart ließ „ausländische“ Konkurrenz nicht ins Städtle.

Das ging bis 1802 die Ilshöfer, ihre hällische Herrschaft und viel „ausländisches“ Umland württembergisch wurden. Sie begannen und später das untere Tor abzubrechen. Den oberen Torturm ließen sie, kein Denkmalamt musste ihn schützen, stehen und versahen ihn mit einer richtigen Turmuhr, mit Zifferblättern auf der Außen- und Innenseite. – Jetzt war er ihr Törle geworden. Seine 3 Stockwerke und die beiden Dachgeschosse sind durch Simse gegliedert. „Scheißscharten“ in der Feldseite und in den Giebelwänden sind als Ocull ausgeführt und symmetrisch angeordnet. Die rechteckigen Fenster wurden später eingefügt.

Charakteristikum des Turms sind seine freien Staffelgiebel vor dem Satteldach. Über volutenverzierten Kragsteinen anlaufend trägt jeder als krönenden Abschluss ein antikisiertes Muschel – Akroterion mit der für barocke Profananbauten typischen eingekerbten Spitzpyramide mit Wulst. Der Nordwand, als Feldseite des Torturms, ziert überm Tor das Haller Wappen mit Schwurhand und Heller der doppelköpfige Reichsadler als Zeichen hällischer Reichsunmittelbarkeit.

Ilshofen war 1609, dem Baujahr des Turms „pur hällisch“ und protestantisch. Die kleinere Bischofsmütze über den beiden Wappen erstaunt deshalb und erklärt sich vielleicht durch einen Hall vogtbaren comburgschen Hof in Ilshofen (Comburg stand unter der Oberheit des Bischofs von Würzburg). Die beiden Maskaronene zwischen erstem und zweitem Stockwerksims, lachend der eine, entsetzt der andere, belegen die Beliebtheit solcher Fratzen-Ornamente in der Baukunst des Barock. An der Stadtseite des Torturms sind auf einem dreieckigen aus dem Gemäuer ragenden Sandstein die Rest einer Sonnenuhr zu erkennen. -Zeit war gerade ein ganz wichtiger Faktor des Lebens geworden.